
Ulrichsfest 2017
Festpredigt am Ulrichsfest 2017
Welche Impulse für christliches Leben heute kann uns über 900 Jahre nach seinem Tod, Leben und Wirken des Hl. Ulrich geben?
Worum ging es dem Heiligen Ulrich? Kurz gesagt, ging es ihm darum, „Gott zu suchen“. Er fragte nach dem, was bleibenden Bestand hat und Halt gibt, wenn alle anderen Sicherheiten zerbrechen. Er wollte über das Vorletzte hinausschauen und suchte nach dem Letzten und Eigentlichen.
Blicken wir an dieser Stelle in unsre Zeit, dann stellen wir fest:
„Gott suchen“ ist heute nicht weniger angesagt als damals. Scheint es doch, als hätten viele unsrer Zeitgenossen Gott vergessen. Gott ist der große Unbekannte geworden. Gottesmüdigkeit, Gottesfinsternis breiten sich immer weiter aus. Man hat sogar vergessen, „dass Gott vergessen wurde.“ (Thomas Meurer)Wie kann ich Gott finden? – Für Ulrich war dies eine Lebensfrage, die ihn umtrieb, bis er im Prolog der Benediktregel die folgende Antwort fand:
„Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!“
Die Aufforderung „Höre!“ steht als Aufforderung am Anfang der Regel Benedikts, die er für Menschen geschrieben hat, die Gott suchen wollen. „Hören“ ist das Wichtigste, wenn Menschen eine Beziehung zu Gott suchen. „Höre auf die Weisung des Meisters!“
Das lateinische Wort „ausculto“, das Benedikt hier verwendet, steht nicht nur für einen akustischen Hörvorgang, sondern meint ein aufmerksames Lauschen, ein konzentriertes Hinhören und Horchen, das ins Ge-horchen führt. „Neige das Ohr deines Herzens!“ Damit spielt Benedikt auf das biblische Bild vom „hörenden Herzen“ an:
„Nur mit dem Herzen hört man gut!“



