
Ulrichsfest 2016
Festpredigt am Ulrichsfest 2016
Wer bin ich und wo ist mein Ort? Das sind Fragen, die sich Menschen stellen in Zeiten globaler und epochaler Umbrüche. Wir erleben in diesen Monaten, dass lange liebgewonnene und in sich sehr wichtige Selbstverständlichkeiten plötzlich wegbrechen. Die Frage, wie geht es weiter mit dem Frieden und der Sicherheit in Europa, die Frage, wie es weitergeht mit der europäischen Einigung und natürlich die vielen Fragen, mit denen wir durch die Dramen im Nahen Osten und in Afrika konfrontiert sind. Sicher, ich kann die Fragen ausblenden – für einen Moment jedenfalls, ich kann glauben, dass es möglich ist, mich auf eine sichere Insel zurückzuziehen – für einen Moment jedenfalls. Aber die Fragen bleiben – und vor allem die Menschen, die davon betroffen sind. Menschen mit ihrem Schrei nach erfahrbarer Würde.
All diese Fragen treiben Weihbischof Dr. Michael Gerber um. In seiner Predigt am Ulrichsfest 2016 versuchte er am und im Leben des Patrons unserer Gemeinde, Ulrich von Zell oder Ulrich von Cluny, Antworten und Hoffnungsschimmer zu geben, indem er den Versuch unternahm, einige Linien aus dem Leben des Heiligen Ulrich für heute als Herzensbildung darzustellen.
Die folgenden drei Punkte waren ihm dabei wichtig:
Ein Erstes: Eine Kultur der Beheimatung schaffen.
Ein Zweites: Ulrich erlebt Heimat nicht als etwas Exklusives nach dem Motto: Wir hier im Kloster die Avantgarde der damaligen Zeit und draußen diejenigen, die anders sind, die es nicht auf die Reihe bringen. Die Heimaterfahrung ist ja auch eine zweischneidige Sache. Sie kann zur Abschottung führen, was interessiert uns die Welt, wir sind wir und so soll es bleiben. Bei Ulrich und den Brüdern der Cluniazensischen Reform ist das anders. Sie denken Heimat vernetzt.
Ein Drittes: Wer erfahren hat, dass auch in anderen kulturellen Kontexten Beheimatung möglich ist, der kann sich möglicherweise leichter darauf einlassen, wenn sich auch unser eigener kultureller Kontext radikal verändert. Das bereitet Sorge und diese Sorgen gilt es ernst zu nehmen.



