Mit Pauken und Trompeten
Warten und dann genau im richtigen Moment ganz da sein: das muss ein Pauker können.
Man sagt, der Pauker oder auch Paukist, das sei eigentlich ein „zweiter Dirigent“: derjenige, der rhythmisch sozusagen die Zügel des Orchesters in der Hand hält, ganz hinten und oben sitzt und damit über allem thront. Meist sind es zwei oder vier Pauken, die er um sich herum aufgebaut hat. Und wenn er dann im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Pauke haut“, dann liefert er dem Orchester damit nicht nur Rhythmus, sondern auch Tonhöhen. Denn anders als Trommeln lassen Pauken sich stimmen.
Bevor die Pauke ins Orchester kommt, waren Paukisten beim Militär beschäftigt. „Ungeheure Rumpelfässer“ – so nennt der Komponist und Musikschriftsteller Michael Praetorius die Heerpauken. Sie sind damals die Instrumente der adeligen Kavallerie - gemeinsam mit den Trompeten. Und in Zeiten des Krieges auch ein wertvolles Gut: erbeutete Pauken gelten als Insignien der Macht und sind deshalb eine begehrte Siegestrophäe.
Entsprechend ihrer Herkunft gelten sie noch bei Georg Friedrich Händel als „martial instruments“, also „Kriegsinstrumente“. Mit genau solchen Instrumenten bestellt der englische König damals zum Ende des Österreichischen Erbfolgekrieges ein Werk bei Händel. Für seine „Music for the Royal Fireworks“ braucht Händel neben Trompeten oder zahlreichen anderen Bläsern dringend Pauken. Und die leiht er sich dann beim königlichen Waffenarsenal aus...
Abseits des Militärs kommen Pauken und Trompeten an Fürstenhöfen zum Einsatz: mit Fanfaren wird beispielsweise die Ankunft oder der Auszug eines Herrschers angekündigt oder auch zur Eröffnung diverser Feierlichkeiten blasen die Trompeten und schlagen die Pauken dazu. Sie sind Symbol herrschaftlicher Macht und deshalb bestens dazu geeignet, hochstehende Persönlichkeiten zu ehren und zu preisen.
Als die Königin von Polen und Kurfürstin von Sachsen, Maria Josepha, Geburtstag hat, gratuliert ihr Johann Sebastian Bach mit einer Kantate: „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! Klingende Saiten, erfüllet die Luft!“ so beginnt der Eingangschor von Bachs gleichnamiger Glückwunschkantate für Maria Josepha. Auf den Text antwortet Bach mit seiner Musik immer augenblicklich: „Tönet, ihr Pauken!“ singt der Chor und schon erklingen die Pauken.„Erschallet, Trompeten!“ – und direkt sind die Trompeten zu hören.
Bach lässt Pauken und Trompeten hier zu Ehren der Königin und Kurfürstin Maria Josepha erklingen. Für sein Weihnachtsoratorium unterlegt er diesen Eingangschor dann mit einem neuen Text „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“. Und schon künden Pauken und Trompeten vom freudigen Ereignis der Geburt des Herrn.
Quelle: Herzog, Susanne (2019): Orchesterinstrumente: Streichen, blasen, zupfen, schlagen. In: SWR2 Musikstunde vom 12. Juli 2019. (www.SWR2.de; 20.07.2019)