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Impuls: Gehst Du mit

18.04.2025 |

Gedanken zum Osterfest, 20.04.2025 

Das Bild zum Text ist hier verlinkt: "Kreuztragungsgruppe, Heiligkreuztal"]
Alternativ ist das Bild der Hlg. Kreuz-Kapelle, Neuenburg, eingefügt.

Kreuz der Hlg. Kreuz Kapelle, Neuenburg
Das Bild vom kreuztragenden Christus aus dem ehem. Kloster Heiligkreuztal ist ein Ausschnitt aus einer „Kreuztragungsgruppe“, die um 1440 entstanden ist. Christus wendet sich auf seinem Kreuzweg um, so als suche er jemanden, der mitgeht und mitträgt. 
Entschlossen geht er seinen Weg, das Kreuzesholz auf der Schulter. Nichts kann ihn aufzuhalten, seinen Weg bis ans Ende zu gehen. Trotz der Last strahlt sein Gesicht Ruhe und Souveränität aus. Seine Augen scheinen auf jemandem zu ruhen, nicht die Masse hat er im Blick, sondern den Einzelnen. Ist es Simon von Cyrene, auf den er schaut, bist es du oder bin es ich? 
Sein Mund ist geschlossen. Jesus schweigt, aber seine Augen sprechen. Er sieht die Menschen am Weg mit ihrem Leid und Ihren Kreuzen, mit ihrer Sehnsucht und ihrer Hoffnung. Sein Blick ruft und frägt: Gehst du mit?
In der Leidensgeschichte des Lukasevangeliums ist in einem kleinen Satz von diesem Blick Jesu die Rede. Als Petrus seinen Meister am Kohlenfeuer verleugnet und der Hahn kräht, heißt es: Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an (Lk 22, 61a). Der Blick Jesu sagt mehr als Worte. Kein Apell zum Durchhalten, kein Aufruf zur Umkehr. Nur ein Blick. Dieser sagt alles. Er erinnert Petrus in diesem Moment an das Wort, das Jesus an diesem Abend gesagt hatte: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt (Lk 22, 31). 
Unter diesem Blick empfängt Petrus die Gnade der Tränen und der Reue. Das Ende seiner Selbstsicherheit wird zum Anfang eines neuen und entscheidenden Schrittes auf dem Weg der Nachfolge.  
Der Blick Jesu hält den Petrus, auch wenn er selbst ihm noch nicht standhalten kann. Petrus weiß, dass sein Meister ihn sucht, gerade jetzt, wo alles zerbrochen scheint. Er weiß, dass der Meister ihn nicht fallen lässt und ihn nicht austauschen wird mit einem, der besser, treuer oder mutiger ist. 
Der Blick Jesu sucht uns in dieser Heiligen Woche, an diesem Osterfest im Heiligen Jahr, das ein Jahr der Hoffnung ist. 
Seine Augen sagen uns: Ich bin für dich bis hinauf nach Golgotha gegangen. Ich gehe dir immer voraus. Aber ich schau mich nach dir um. Ich suche dich und warte auf dich. Ich biete dir mehr als Durchhalteparolen an, ich biete dir Beziehung!
Wenn unsere Hoffnung schwindet und das Selbstvertrauen zerbricht, wenn der Weg schwer und das Ziel unklar ist, dann will sein Blick uns aus Resignation und Mutlosigkeit herausrufen. Er hat auch für uns gebetet. Er setzt sein Vertrauen in uns. 
 
Der kreuztragende Jesus, der sich umwendet und nach uns schaut, ist der erste und größte „Pilger der Hoffnung“. In seiner Spur wird das Ende zum Neuanfang und am Nullpunkt wird die Hoffnung geboren. 
Das ist Ostern. 
 
Ich wünsche Ihnen ein Fest voller Zuversicht und Hoffnung!
Lukas Wehrle
 
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