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KMU zu digitaler Pastoral

19.08.2025 |

Bei der 6. Kirchenmitgliedschafts-Untersuchung (KMU) der EKD wurden die Teilnehmenden auch nach der Nutzung kirchlicher bzw. pastoraler Internetangebote befragt. Das Ergebnis gibt einen Eindruck, wen diese Angebote erreichen.

Für die 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) der EKD, an der sich erstmals auch die katholische Kirche beteiligte, wurde 2023 eine für die Bevölkerung in Deutschland repräsentative Gruppe von ... Personen anhand eines standardisierten Fragebogens befragt. Neben Fragen, die bereits bei den vorhergehenden Untersuchungen gestellt worden waren und die so Vergleiche der verschiedenen Befragungszeitpunkte und somit das Nachzeichnen von Entwicklungen ermöglichen, wurden auch neue Fragen ausgewählt, die aktuellere Themen aufgreifen. So befassten sich drei Fragen mit der Nutzung pastoraler Internetangebote, die teils allen Teilnehmenden, teils nur denen mit christlicher Religionszugehörigkeit gestellt wurden:
 
87. Und im Internet? Wie oft verfolgen Sie aktuell einen Gottesdienst oder eine Andacht im Internet?
[anknüpfend an Fragen nach dem Gottesdienstbesuch in Frage 85f.]

96. Wie häufig nutzen Sie das Internet für die folgenden Zwecke?
(a) Um mich über religiöse oder weltanschauliche Dinge zu informieren.
(b) Um nach spirituellen oder religiösen Impulsen für mein eigenes Leben zu suchen.
(c) Um mich mit anderen Menschen über religiöse oder spirituelle Fragen auszutauschen.
(d) Um Informationen über kirchliche Veranstaltungen und Angebote zu bekommen.
(e) Um Kontakte mit der örtlichen Kirchengemeinde oder deren Mitgliedern zu suchen.
(f)  Um persönliche Anliegen mit einer Person der kirchlichen Seelsorge, Diakonie oder Caritas zu besprechen.

97. Geben Sie bitte an, inwieweit die folgenden Dinge auf Sie persönlich zutreffen.
(a) Im Internet finde ich leichter etwas, das zu meinen religiösen oder weltanschaulichen
Überzeugungen passt, als auf anderen Wegen.
(b) Bei religiösen oder weltanschaulichen Inhalten fühle ich mich im Internet oft gedrängt, dass ich
etwas Bestimmtes glauben soll.
(c) Bei religiösen oder weltanschaulichen Themen im Internet ist es für mich wichtig, dass ich
anonym bleiben kann.
(d) Vor die Wahl gestellt, würde ich lieber
online an Andachten und Gottesdiensten teilnehmen als in die Kirche zu gehen.
(e)  Online-Angebote der Kirchen wirken
auf mich in ihrer Gestaltung moderner als andere kirchliche Angebote.
(f)  Ich nutze Online-Angebote meiner lokalen Kirchengemeinde.
(g)  Mir ist es wichtig, dass meine lokale Kirchengemeinde im Internet präsent ist.

Im Auswertungsband „Wie hältst du’s mit der Kirche? Zur Relevanz von Religion und Kirche in der pluralen Gesellschaft. Analysen zur 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung“ (kostenloser Download als PDF) widmet sich das 25.Kapitel „Mediatisierung religionsbezogener Praxis. Gottesdienstteilnahme online, Nutzung von Seelsorge und Beratung online, Typen digitaler Religionspraxis“ (S. 473ff) von Kristin Merle und Felix Roleder dem Thema.
Ein kurzer Einblick in die Ergebnisse:
-          31% der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder und 21% der Nichtmitglieder nutzen manchmal oder öfter Angebote aus den folgenden Bereichen: Information über religiöse und weltanschauliche Dinge (25% Mitglieder/19% Nichtmitglieder), spirituelle oder religiöse Impulse (10%/7%), Austausch über religiöse oder spirituelle Fragen (4%/3%), online-Gottesdienste oder -Andachten (11%/1%).
Dieser Anteil ist also grundsätzlich interessiert an Online-Angeboten mit religiöser Thematik.
-          46 % dieser digital-religiös Aktiven stimmen der Aussage zu: „Im Internet finde ich leichter etwas, das zu meinen religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen passt, als auf anderen Wegen“.
-          Die Frage „Wie häufig nutzen Sie das Internet … um persönliche Anliegen mit einer Person der kirchlichen Seelsorge, Diakonie oder Caritas zu besprechen.“ beantworten 4% der Kirchenmitglieder mit „manchmal oder häufig“, 16% mit „selten“. Gemessen daran, wie viele Kirchenmitglieder überhaupt Kontakt in diesen Zusammenhängen aufnehmen, dürfte das ein hoher Anteil sein, die dies auf digitalen Wegen tun.
Auch wenn die Autoren hier von „Internetseelsorge“ und „Online-Beratung“ sprechen, handelt es sich vermutlich eher um digitale Kommunikation mit Personen vor Ort als um die Nutzung spezialisierter Online-Angebote.
-          Online-Gottesdienste werden vorwiegend von Menschen genutzt, die auch vor Ort zum Gottesdienst gehen; nur wenige nutzen ausschließlich Online-Gottesdienste.
 
Die Autoren stellen im Abgleich mit anderen Fragen fest, dass die mediale Nutzung religiöser Angebote in der Breite der Kirchenmitglieder angekommen ist und sich nicht auf bestimmte Altersgruppen oder bestimmte innerkirchliche Ausrichtungen beschränkt.
 
Das Thema Digitalpastoral war mit diesen drei Fragen nur ein winziger Teilbereich der großen und aufwendigen Untersuchung; vieles, was hier spezieller interessant gewesen wäre, konnte in diesem Rahmen nicht berücksichtigt und/oder genauer erfasst werden. Grundsätzlich wird klar: Digitale kirchliche Angebote sind relevant und werden von einem nicht geringen Anteil der Kirchenmitglieder und auch, im geringeren Umfang, von Nichtmitgliedern genutzt.
 
Zudem bestätigt sich: Digitales Engagement der Pastoral fördert ortsunabhängig die Vielfalt der Angebote, die es dem Einzelnen erleichtert oder überhaupt möglich macht, etwas individuell Passendes zu finden. Angesichts größer werdender pastoraler Strukturen, die die Bindung an eine Gemeinde vor Ort eher erschweren, könnten digitale Angebote bestehenden Bedarf mit auffangen.
 
vorgestellt von

Andrea Imbsweiler

KAMP - Katholische Arbeitsstelle für missionarische Pastoral Referat Evangelisierung und Digitalisierung