Anlässlich religiöser Feste bieten Fernsehsender im Programm oder in Mediatheken gerne Verfilmungen biblischer Stoffe an. An Ostern sind das häufig Jesusfilme, in denen die Leidensgeschichte Jesu und seine Auferstehung aufgegriffen werden.
Gerade in der Osterzeit sind Passionsfilme und Bibelfilme ein fester Bestandteil des Fernsehprogramms. Schon von Beginn der Filmgeschichte an haben Filmemacher die Lebensgeschichte Jesu und die Passion Jesu aufgegriffen. Diese Erzählungen, tief verwurzelt in der christlichen Tradition, boten Stoff für bewegende Bilder und moralische Reflexionen. Tatsächlich gehören Jesusfilme zu den ältesten und beständigsten Genres der Filmgeschichte.
Bereits in der Stummfilmzeit entstanden erste Werke, die das Leben Jesu auf die Leinwand brachten. Ein frühes Beispiel ist der französische Film "La Vie et Passion du Christ" (1902) von Ferdinand Zecca und Lucien Nonguet, der in mehreren Tableaus wichtige Stationen des Neuen Testaments darstellte. Auch in den USA entstanden frühzeitig Produktionen wie "From the Manger to the Cross" (1912), der als einer der ersten abendfüllenden Jesusfilme gilt und in den heiligen Stätten Palästinas gedreht wurde.
Mit dem Aufkommen des Tonfilms erlebte das Genre eine neue Blüte. Cecil B. DeMilles opulenter Stummfilm "King of Kings" (1927) wurde 1961 mit Jeffrey Hunter in der Hauptrolle neu verfilmt und etablierte das Bild des Jesusfilms als epische Produktion mit großem Ensemble und aufwendigen Kulissen.
Im Laufe der Jahrzehnte entstanden zahlreiche weitere bedeutende Jesusfilme, die unterschiedliche Aspekte seines Lebens und seiner Lehren beleuchteten. "Das Matthäus-Evangelium" (1964) von Pier Paolo Pasolini präsentierte eine raue und sozialkritische Interpretation des Evangeliums. Franco Zeffirellis "Jesus von Nazareth" (1977), eine aufwendige Fernsehminiserie mit Robert Powell in der Titelrolle, erlangte breite Popularität und gilt bis heute als eine der respektvollsten und detailgetreuesten Verfilmungen.
Kontroversere Ansätze wagten Filme wie Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi" (1988), der die menschliche Seite Jesu und seine Zweifel beleuchtete, oder Mel Gibsons "Die Passion Christi" (2004), der sich intensiv auf die letzten Stunden Jesu konzentrierte und durch seine drastische Darstellung der Gewalt polarisierte.
Die Interpretationen mögen sich im Laufe der Zeit verändert haben, aber das Interesse an dieser zentralen Figur der Weltgeschichte und ihren Lehren ist im Kino ungebrochen. Jesusfilme bleiben ein Spiegelbild religiöser, kultureller und künstlerischer Auseinandersetzungen mit einer der prägendsten Erzählungen der Menschheit.
Eine ausgezeichnete Informationsquelle über Bibelfilme bzw. Filme im Allgemeinen ist der Filmdienst (www.filmdienst.de). Das von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) verantworteten Portal stellt nicht nur aktuelle Kino-Produktionen ausführlich vor, es weist auch auf Filme hin, die im linearen Fernsehprogramm laufen oder in Mediatheken verfügbar sind. Unverzichtbar für Film- und Kinoenthusiasten ist das „Lexikon des Internationalen Films“. Eine Genresuche unter dem Stichwort „Bibelfilm“ weist beispielsweise 99 Treffer auf.
In einem aktuellen Beitrag für den Filmdienst untersucht Reinhold Zwick, wie Filmemacher die Auferstehung Jesu in ihren Werken dargestellt haben. Analog zu den biblischen Texten von der Auferstehung ließen sich auch in Filmen zwei Herangehensweisen unterscheiden:
Der als "Auferstehungsrealismus" bezeichnete Ansatz bezeichnet Filme, in denen versucht wird, die Auferstehung konkret darzustellen wie in Mel Gibsons "The Passion of the Christ". Zwick beschreibt anschaulich, wie Gibson das Auferstehungsereignis inszeniert und kritisiert: „Er wagt den Blick in die Grabkammer und die Großaufnahme des Auferstandenen – eine Grenzüberschreitung und ein Tabubruch, weil er damit das Unzeigbare zu zeigen versucht.“
Dem gegenüber stehen Filme, die das Geheimnis des Ereignisses durch symbolische oder suggestive Bilder betonen. Der Artikel nennt Derek Jarman's "The Garden" als Beispiel für den letzteren Ansatz, wo die Auferstehung durch eine Mischung aus symbolischen Bildern und nicht-linearer Erzählung dargestellt wird. Der Artikel erwähnt auch andere Filme wie "Maria Magdalena" und "Das 1. Evangelium - Matthäus", um das Spektrum der filmischen Interpretationen der Auferstehung zu veranschaulichen.
Der Analyse von filmischen Bildern der Auferstehung Jesu schließt sich eine Betrachtung filmischer Darstellung des Glaubenssatzes von der Auferstehung der Toten an. Der Autor arbeitet am Beispiel des Films „Valley of Love“ (2015) von Guillaume Nicloux, in dem der an Suizid verstorbene Sohn seine Eltern ins Death Valley ruft, um ihnen dort zu „begegnen“.