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Themenheft ET-Studies „Digitalisierung und ihre Bedeutung für Theologie und Kirche“ veröffentlicht

15.08.2024 |

Die „ET-Studies“ als wissenschaftliche Zeitschrift der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie haben sich theologische und interdisziplinäre Perspektiven auf Glauben und Religion im heutigen Europa auf die Fahnen geschrieben. Im aktuell veröffentlichten, online abrufbarem Heft werden unterschiedliche Facetten und Fragestellungen der Auswirkungen der Digitalisierung aufgegriffen – wie es im Editorial heißt „keinesfalls in seiner ganzen Breite, sondern allenfalls exemplarisch“ (S. VI). Trotzdem Grund genug für uns mal rein zu lesen.

Neben grundsätzlichen Artikeln wie der Blick auf KI aus der Perspektive christlicher Anthropologie und Ethik oder der Frage nach grundlegenden schöpfungstheologischen Unterschiedenen zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz sowie der Frage nach der Achtung der Würde des Menschen im digitalen Zeitalter werden auch konkrete Fragestellungen aus der konkreten Praxis erörtert.
 
Andreas Lob-Hüdepohl beschäftigt sich zum Beispiel mit Fragen rund um KI-gestützte Handlungsformen und Instrumente in der Pastoral. Konkret geht es um aktuelle Beispiele wie einen Segensroboter oder auch Conversational-AI mit dezidiert religiösem Inhalt ('Spiritual-Carebots'). Ins Zentrum seiner Betrachtung stellt er die Fragen: Erweitern oder minimieren sie die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit der menschlichen Akteur:innen, deren Interaktionen sie unterstützen sollen? Können KI-gestützte technische Artefakte menschliche Akteur:innen (z.B. Geistlicher Begleiter:innen) sogar ersetzen oder maximal in einzelnen Handlungsabschnitten simulieren? Es wird deutlich, dass die Antwort sowohl von der Kernlogik der Handlungsbereiche, in denen sie eingesetzt werden (Seelsorge, Bildung usw.), als auch vom grundsätzlichen Verständnis abhängt, in welcher Beziehung Mensch und Künstliche Intelligenz zueinanderstehen. Spannende Vorklärungen, die bei der weiteren Ausdifferenzierungen KI-gestützter Pastoralpraxis nicht außen vorgelassen werden können.
 
Unter dem Titel „Monk, I Need a Monk!“ befasst sich Inga Maria Schütte mit Religion als komplexes Element in Computerspielen und öffnet damit das noch zu weiten Teilen unbearbeitete Feld der Gamingpastoral. Es werden verschiedene Ebenen analysiert, in denen Religion in Computerspielen vorkommen kann und zwischen der Narratologie (Erzählebene) und Ludologie (Regeln und Mechanismen des Spiels) als Interpretationsebene unterschieden. Weiterhin wird geklärt, inwiefern es sich bei Religionen in Computerspielen um Phantasiereligionen handelt, die sich aber an einem historischen Vorbild bedienen können und wieso das Mittelalter ein beliebter Hintergrund für Spiele ist. Anschließend werden die Ergebnisse auf das Echtzeitstrategiespiel „Age of Empires 2: The Age of Kings“ angewendet. Als wichtigstes Gebäude im Spiel ist dafür das Kloster zu benennen, in denen die Spielenden die Spieleinheit Mönch sowie verschiedene Technologien erforschen können. Abschließend wird dargelegt, wieso gerade das Kloster und die Spieleinheit Mönch zu den strategisch wichtigsten Figuren im Spiel gehören. Dabei bleibt (vorerst) offen, ob sich die Spieler:innen durch die Beschäftigung mit diesen Themen auch in ihrer religiösen Dimension angesprochen fühlen und/oder ob Computerspiele auch zur religiösen Bildung genutzt werden können. Fragen an denen es sich lohnt, dranzubleiben.
 
Weitere Artikel (zur digitalen Lehre in der Theologie) und Berichte des Heftes (zu einem Forschungsvorhaben rund um die KI-Entwicklung oder dem Einsatz eines NAO-Roboter auf dem Katholikentag 2024) runden das Bild ab. Empfehlung: Lesenswert!
Ansprechpartner

Aaron Torner

Referent Katechese - Evangelisierung, Glaubenskommunikation und Verkündigung